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Vom Wochenende

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"Er sah den langen, langsamen Pazifikwellen zu, die über den Sand heranrollten, und wartete und wartete auf das Nichts, das, wie er wußte, jeden Moment passieren würde. Als die Zeit kam, daß es nicht passierte, passierte es pflichtgemäß nicht, und so verläpperte sich der Nachmittag, die Sonne ging hinter der langen Horizontlinie des Meeres unter, und der Tag war zu Ende."

(Douglas Adams: Macht´s gut, und danke für den Fisch)
An diesem Wochenende fällt es mir schwer, das Kopfchaos loszulassen. Aber irgendwann, vielleicht nach dem zehnten oder dreizehnten Kilometer, den mein Papa und ich zurücklegen, leert sich mein Kopf. Und spätestens als wir spontan anfangen loszurennen, um uns vollbekleidet ins Meer zu stürzen, denke ich gar nichts mehr. Außer das ich hier bin und dass ich lebe. Und dass das schön ist und ich jeden Moment dieses Lebens genießen sollte.
Am blauen Himmel steht die strahlende Sonne. Wir laufen dem Meer hinterher, das sich langsam zurückzieht, wandern hi…

Von Gewichtigem - KW 20

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Heiko hatte recht: Diese Woche ging es gewichtstechnisch tatsächlich ein bisschen bergab. Und ich bin wieder ein bisschen angefixt und angespornt, weiter duchzuhalten. Allerdings nehme ich aus dieser Woche mit, dass ich erneut ein bisschen aufpassen muss. Auf meine Selbstwahrnehmung. Ich neige nämlich gerade dazu, mich einfach nur fett zu finden, wenn ich in den Spiegel sehe. Was irgendwie unschön ist und vermutlich auch nicht der Wahrheit entspricht. Denn laut BMI befinde ich mich definitiv im Normalgewicht. Deshalb sollte ich vermutlich ein wenig darauf achten, weiterhin Gewichts-Ziele zu verfolgen, die realistisch sind. Und mal ein bis anderthalb Augen zudrücken, wenn ich mich im Spiegel betrachte. Das, was ich bisher erreicht habe, ist super. Es macht keinen Sinn, dass ich ausgrechnet jetzt damit anfange, mich dicker als vorher zu finden.
Also: Sei nachsichtig mit dir selbst, Muschelmädchen, und übertreib es nicht. Probier heute mal etwas zu schlemmen und ein bisschen ungesunden K…

Vom Stempel

Vielleicht liegt es an meinem Alter. Und daran, dass ich zweifelsohne älter werde. Aber in den letzten Wochen habe ich das Gefühl, dass es schlimmer wird. Mittlerweile vergeht kaum noch ein Tag, an dem mir kein Fauxpas passiert. Ich bin ein bisschen gesichtsblind. Es fällt mir schwer, Menschen zu erkennen. Wiederzuerkennen. Sie nicht zu verwechseln.

So kommt es vor, dass man mir Fotos von Personen zeigt. Auf jedem Foto ist ein anderer Mensch dargestellt. Aber für mich sehen sie alle gleich aus. Weil sie alle die gleiche rote Badehose tragen. Das sorgt für irritiertes, aber herzliches Gelächter. Wenn ich zusammen mit Freunden einen Film schaue, nerve ich sie unterdessen mit leisen Nachfragen, weil ich die Protagonisten nicht auseinanderhalten kann. Filme aus Asien kann ich mir generell nicht angucken, weil sie für mich aus nur einem einzigen Schauspieler bestehen. Aber in deutschen Filmen komme ich schon durcheinander, wenn sich die Hauptfigur innerhalb des Filmes nur die Haare schneid…

Vom Schwammsein

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Ich bin wie ein Schwamm. Zumindest fühlt es sich zurzeit so an. Ich absorbiere die Stimmungen meiner Mitmenschen. Blöderweise sind diese Stimmungen alles andere als gut. Im Moment bin ich von Menschen umgeben, die die ganze Welt schwarzmalen, die alles und jeden negativ bewerten und kaum ein gutes Wort finden. Das macht mich wahnsinnig müde. Vor allem aber macht es mich, am Ende eines anstrengenden Arbeitstages, einfach nur traurig. Denn am Abend fühle ich mich, als hätte man mir ein paar Kilo Blei an die Füße gebunden und dann befohlen, damit einen Marathon zu laufen.

Am schlimmsten ist aber, dass mir unter dieser Welle von Negativität, die über mich hinwegrollt, sämtliche Empathie abhanden kommt. Ich kann nicht mehr feinfühlig darauf reagieren, dass "alles scheiße" ist und "sowieso voll sinnlos". Weil einfach zu viel davon auf mich einstürmt. Mir fehlt gerade die Kraft, um Trost zu spenden, Lösungen zu suchen und andere Perspektiven aufzuzeigen. Weil viel an Le…

Von Gewichtigem - KW 19

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Hm. Ja. Also so richtig glücklich bin ich nicht, weil ich diese Woche ein Plus verzeichne. Und gar nicht so recht sagen kann, woran es liegt. Ernährungstechnische Ausreißer gab es diese Woche nämlich kaum, außer einem kleinen Eis, das ich mir vorgestern Abend genehmigt habe, weil ich es einfach gebraucht habe. Beschissener Tag und so. Vielleicht kommt das Plus auch daher, dass ich heute Morgen, vor dem Wiegen, unedingt zwei Kaffee trinken musste. Um mich überhaupt in der Welt zurechtzfinden. Wer weiß.
Ich versuche einfach, weiter durchzuhalten.

Generell fühle ich mich aber ganz wohl. Nachdem ich vor ein paar Wochen alles an T-Shirts und Hosen gespendet habe, was mir igendwie zu klein oder zu groß war, habe ich mich diese Woche mal in meine alten Sommerkleidchen gezwängt und geschaut, was von diesen noch passt. Dabei wurde ich positiv überrascht. Ich passe in fast alle wieder hinein. Und kann einen Teil davon sogar ohne antierotischen Bauchweg-Schlüppi tragen. Eines der Kleider ist sog…

Von der Enttäuschung

Es gibt Tage, die braucht kein Mensch.
Heute war so ein Tag.

Irgendwann habe ich Erhardt verloren. Als er schon nicht mehr bei mir beschäftigt war. Trotzdem ist er noch manchmal, wann immer er aller paar Wochen Zeit dafür hatte, auf einen Kaffee vorbeigekommen. Um mit mir zu reden, mir von seinem kranken Vater zu erzählen und sich nach meinem Wohlergehen zu erkundigen. Bis zu einem Donnerstag vor ein paar Monaten.

Natürlich wusste ich immer, dass er mit mir schäkert. Und ich habe zurück geflirtet. Nicht aggressiv und fordernd, sondern sanft und subtil. Einfach herzlich. Weil wir einander mögen. Aus Sympathie und Zuneigung. Allerdings kam mir nie die Idee, dass er das wirklich ernst meinen könnte. Denn wir würden ein wirklich drolliges Paar abgeben. Er, der alte Mann, und ich, die jüngere Frau, die ihn ohne hohe Schuhe um anderthalb Köpfe überragt. Die Frau, die Bücher liebt, vernarrt in einen Analphabeten. Den sie über Jahre beschäftigt hat und dessen Vorgesetzte sie war. Der schlager…

Vom Liebesentzug

Familie. Ein stetiger Quell der Freude. "Weil du nie etwas für mich tust!", faucht sie.
Ich muss schlucken. Unser Streit hat sich gerade an einer vollkommen banalen Kleinigkeit entzündet. Aber eigentlich ist es vielmehr ihr Streit. Denn ich sage gar nichts. Bereits nach den ersten gefallenen Worten versuche ich, mich in mich selbst zurückzuziehen. In meine Muschel. Um das, was kommen wird, abzuwehren. Es nur nicht zu nahe an mich heranzulassen.
"Ich würde nicht einmal auf die Idee kommen, dass du freiwillig etwas für einen anderen Menschen tust!", sagt sie scharf und laut. Fassungslos starre ich sie an. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Macht sie über mich hat. Es fällt ihr leicht, mich zu verletzen. Und das nutzt sie vollkommen ungehemmt, vermutlich sogar unbedarft, aus. Als Entschuldigung Temperament und Impulsivität vorschiebend.

Als sie die Wohnung verlässt und die Tür hinter sich zuschlägt, fühle ich mich, als wäre ich wieder neun Jahre a…